Mobile Kälberhütten mit automatischer Fütterung

Eine Alternative zu Iglu und Stallbau sind mobile Kälberhütten. Die Fütterung in dieser Haltungsform war bisher nur mit großem Arbeitsaufwand zu erledigen. Jürgen Plesse, Förster-Technik und Lars Blaschke, Betriebsleiter Agrarproduktion Lindstedt e.G. zeigen, wie der Arbeitsaufwand deutlich reduziert werden kann. Hier weiterlesen …

Eine Alternative zu Iglu und Stallbau sind mobile Kälberhütten. Die Fütterung in dieser Haltungsform war bisher nur mit großem Arbeitsaufwand zu erledigen. Jürgen Plesse, Förster-Technik und Lars Blaschke, Betriebsleiter Agrarproduktion Lindstedt e.G. zeigen, wie der Arbeitsaufwand deutlich reduziert werden kann. Hier weiterlesen …

Gepostet von am 10. August 2021
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Mobile Kälberhütten mit automatischer Fütterung

Eine Alternative zu Iglu und Stallbau sind mobile Kälberhütten. Die Fütterung in dieser Haltungsform war bisher nur mit großem Arbeitsaufwand zu erledigen. Jürgen Plesse, Förster-Technik und Lars Blaschke, Betriebsleiter Agrarproduktion Lindstedt e.G. zeigen, wie der Arbeitsaufwand deutlich reduziert werden kann.

Funktional und klimatisch verbinden mobile Kälberhütten die Vorteile von Mobilität und fester Hülle. Die Aufstellung erfordert in der Regel keine Baugenehmigung und ist vergleichsweise kostengünstig. Bauartbedingt gibt es eine gute Luftführung mit ausreichend Luftaustausch (> 5x/h) mit kaum Luftbewegung  und keiner Zugluft. Die Spaltenböden als Unterlage führen dazu, dass Flüssigkeiten sofort abgeführt und die Kälber folglich wenig mit Schadgasen und Erregern kontaminiert werden.

Bislang war die Aufstallung in Kälberhütten mit einer zweimaligen Fütterung via Nuckeleimer verbunden. Das bedingte einen hohen Arbeitsaufwand und eine physiologisch ungünstige Tränkeverabreichung. Entweder erfolgt die Tränke in zu großen Portionen oder zu geringen Tagesmengen. Die Alternative der angesäuerten ad libitum-Fütterung führt unter Umständen zu einer verminderten Verdaulichkeit. Die ad libitum-Tränke mit warmer Milch/MAT-Tränke erwies sich als optimal.  (Aikman et al, 2015)

Durch die Entwicklung einer auf die automatische Fütterung abgestimmten Kälberhütte entsteht ein neuartiges System mit hoher Mobilität und Effizienz. Die erste Anlage dieser Art haben Förster-Technik und Schrijver in der Agrarproduktion Lindstedt e.G. realisiert.

In 20 Quattro-Hütten stehen 80 Kälber in 4 Abschnitten á 5 Quattro-Einheiten, die jeweils durch eine CalfRail 5 Mal täglich mit Milchaustauschertränke versorgt werden. Die Bewirtschaftung ist so auf den Kälberanfall abgestimmt, dass geschlossene Einheiten in die Gruppenhaltung überführt werden. Nach der Ausstallung erfolgt die Reinigung der Boxen, die dann i.d.R. am darauffolgenden Tag wieder zur Nutzung bereitstehen.

Boxenaufstellung Quattrohütten

Kalb am Nuckel

Von einer zentral gelegenen Technikeinheit füttern zwei Tränkeautomaten der Firma Förster-Technik die Kälber vollautomatisch über 4 CalfRails. Auf diese Weise erhalten sie 5 Mal täglich, alle 3 Stunden je eine altersabhängig geregelte Portion von 2,5-3,5 l Tränke. Die Trockenmasseaufnahme entwickelt sich in den ersten 10 Lebenstagen von ca. 700 zu 1400 g täglich. 

Die CalfRail Zentrale

Neben den arbeitswirtschaftlichen Vorteilen führt diese Art der Fütterung zu hoher Futtereffizienz. Diese ist nur zu erreichen, wenn außer dem Erhaltungsbedarf die Energie und Nährstoffe nahezu vollständig in Körpermassebildung umgesetzt und nicht zur Stressbewältigung, Immunabwehr oder Regulationsprozessen eingesetzt werden. Die ersten in Lindstedt ausgestallten Kälber zeigen hier ein sehr positives Bild. Die Umstallung erfolgte nach 40 Tagen mit x̅ 80kg Körpermasse, was annähernd einer Verdoppelung des Geburtsgewichts gleichkommt.

Gerade in der Hitze der Sommerwochen im Juni/Juli hat sich diese Aufstallung und Fütterung bewährt. Das Mikroklima in den Buchten war durch gute Belüftung und null Zugluft geprägt. Es waren kaum Erkrankungen zu verzeichnen und die Kälber haben nahezu alle angebotenen Mahlzeiten abgerufen. Tägliche Reinigung des Futtergangs durch Abspritzen mit klarem Wasser und das Nachstreuen mit frischem Stroh sorgen für eine hygienische Umgebung, in der die Kälber außerordentlich entspannt und kaum einer Belastung durch Schadgase, Staub oder pathogene Keime ausgesetzt sind.

Was sagt der Betriebsleiter der Agrarproduktion Lindstedt e.G. Lars Blaschke zu seinem neuen Kälberdorf:

1. Herr Blaschke, wie sind Sie auf die Idee gekommen die Kälber so aufzustallen und warum haben Sie sich im Vergleich der Systeme für diese Lösung entschieden?

Zunächst haben wir festgestellt, dass unsere bestehende Kälberhaltung nicht mehr zum Leistungs- und Qualitätsanspruch unserer Milchproduktion passt. Besseres Tierwohl, weniger Krankheiten und Verluste sollen helfen die Produktion für Mensch und Tier angenehmer und für den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten. Weniger Tierumstellungen in den sensiblen ersten 4 Wochen des Lebens, mehr Platz und Zeit für Hygienemaßnahmen und weniger Aufwand für die Bewirtschaftung waren und sind hauptsächliche Ziele im Umbau unserer Abläufe in der Kälberaufzucht. Wir versprechen uns davon gesündere Tiere, weniger Medikamenteneinsatz, höhere Zuwächse und geringere Betriebskosten.

Das Konzept der Topcalf-Kälberhütten hat uns durch die Praktikabilität unter unseren Bedingungen schnell überzeugt. Das wir damit eine mobile Lösung hatten, die wir schnell, ohne Baugenehmigung und relativ kostengünstig erstellen konnten, gab schlussendlich den Ausschlag uns für die Quattro-Hütten von Schrijvers zu entscheiden.

Als wir uns dann damit befasst haben, wie wir in diesen Hütten unsere Kälber füttern wollen, sind wir unter anderem auf die CalfRail von Förster-Technik gestoßen. Das mehrmalige Füttern in kleinen Portionen war aus der Tierwohl-Sicht ein wichtiges Argument für uns. Die Einsparung von Arbeitszeit und das Abschaffen der lästigen Eimerwirtschaft waren weitere Auslöser für unsere Entscheidung. Nachdem wir das System in der Praxis gesehen hatten, waren wir vollkommen überzeugt damit das Richtige zu tun. Die Bereitschaft von TopCalf und Förster-Technik ihre Lösungen unkompliziert und in enger Zusammenarbeit so anzupassen, dass sie lückenlos zusammenpassen, war der letzte Punkt, der uns endgültig überzeugt hat.

2. Wie wirkt sich diese neuartige Lösung auf den Betriebsablauf und den Arbeitsaufwand aus?

Früher haben wir die Kälber in den ersten Wochen mehrmals umstellen müssen. Jetzt bleiben sie 30-40 Tage in 4er Boxen stehen. Sie fühlen sich wohl, haben Sicht- und Berührungskontakt und werden in annähernd gleichem Alter aus 3 Topcalf-Quattro-Hütten zu 12er Gruppen zusammengestellt. Damit haben wir eine Standardroutine geschaffen, die für jeden Mitarbeiter leicht umzusetzen ist. Ein konsequentes Rein-Raus-Prinzip erleichtert die Steuerung der Produktion und schafft bessere Voraussetzungen für unser Hygienemanagement.

Wir benötigen deutlich weniger Zeit für Reinigungs- und Hygienemaßnahmen und können die Hütten jetzt nach der Reinigung mehrere Tage auf einem separaten Platz unter Licht, Luft und Sonne trocken stehen lassen. Die ganze Situation hat sich entspannt. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass wir deutlich weniger Stroh brauchen. Durch den Spaltenboden stehen die Kälber immer trocken und haben ein sehr schönes Kälbernest.

Anstelle Tränke anzurühren, sie zu Verteilen und die Tränkeeimer zu reinigen, nutzen wir die frei gewordene Zeit neben der Pflege der Anlage zur Tierbeobachtung. Während die CalfRail die Fütterung übernimmt macht es große Freude den Tieren zuzusehen. 

3. Wie sind die ersten Erfahrungen bezüglich Stallklima, Tiergesundheit und –wohlbefinden?

Die Kälber nehmen die Hütten sehr gut an. Gerade in der Hitze des Sommers hat sich die isolierte Überdachung und die Belüftung der Boxen als sehr wirksam gezeigt. Die Kälber lassen sich sehr leicht anlernen. Meist reicht ein- oder zweimaliges Zeigen, wie es geht. Wenn sie einmal den Nuckel von selbst aufgenommen haben, saufen sie künftig selbstständig. Um den 10. Tag merken wir immer wieder eine Reaktion des Stoffwechsels. Nach 1-2 Tagen, an denen sie weniger Lust haben zu saufen beschleunigt sich das und sie zeigen ein sehr fideles Verhalten. Dann kann man sie förmlich wachsen sehen.

Wir füttern nur kleine Mengen Kälbermüsli ab dem 20. Tag. In erster Linie wollen wir, dass die Kälber in den Einzelbuchten Tränke aufnehmen. Mit der 5 mal täglichen Tränke mit dem CalfRail gelingt das sehr gut. Da wir ein sehr gutes Milchpulver mit hoher Konzentration füttern, nehmen die Kälber bereits ab der zweiten Woche täglich 1,1-1,8 kg Trockenmasse auf. Wenn wir sie mit 40 Tagen in die Gruppen stellen wiegen sie zwischen 60 und 80 kg. Sehr erfreut sind wir darüber, dass die Kälber in der Gruppe jetzt viel stabiler sind, sehr schnell die Kraftfutteraufnahme steigern und sich toll entwickeln. Nicht zuletzt ist unsere letzte Tierarztrechnung nur halb so hoch ausgefallen, wie wir es bislang gewohnt waren.  

Im Moment kann ich nur über die Frühjahrs- und Sommermonate sprechen. Wir sind gespannt und guter Dinge, dass sich das System auch im Herbst bis zum Frühling bewähren wird.

4. Worin sehen Sie den Vorteil der 40-tägigen Einzelhaltung?

Wir haben die Kälber in der wichtigsten Zeit besser unter Kontrolle. Die durch die Aufstallung und Fütterung vorgegebenen Zeiten führen zu einer stabilen täglichen Arbeitsroutine, die wir so vorher nicht hatten. Wir sammeln die Kälber möglichst so, dass wir immer 12 Kälber mit maximal 40 Lebenstagen und geringem Altersunterschied in eine Gruppe schaffen können. Länger würden wir sie nicht in der Box halten wollen, weil sie dann zu groß werden und auch schon mal versuchen über das Trenngitter zu springen.

5. Wie schätzen Sie nach ersten Partien das Wachstum, die Sozialisierung und die Vorbereitung der Kälber auf die Gruppenhaltung ein?

Die Kälber haben durch den Aufbau mit ihren unmittelbaren Nachbarn Sicht und Berührungskontakt. Wenn sie in die Gruppen gehen sind sie neugierig und aus unserer Sicht sehr gut sozialisiert. Sie spielen und zeigen uns mit ihrem Verhalten, dass sie sich wohl fühlen. Das Anlernen am Tränkautomaten in der Gruppe ist jetzt viel leichter, als wenn sie aus dem Einzeliglu kommen. Ab dem 50. Tag reduzieren wir die Milchmenge, nach 40FIT-Tränkeplan. Die Kraftfutteraufnahme steigt dann schnell an und die Kälber wachsen ohne Unterbrechung weiter. Das sah früher anders aus.

6. Sehen Sie mit den jetzigen Erfahrungen weiteres Verbesserungspotential für dieses System?

Die Firma Schrijvers hat die Türen der Boxen angepasst und die Eimerhalterungen mittig gesetzt. Das sehen wir aus heutiger Sicht nicht als notwendig an und halten die originale Form für günstiger. Mit dem CalfRail sind wir bislang rundum zufrieden. Was wir uns wünschen würden wäre eine Anzeige der getrunkenen Menge des aktuell saugenden Kalbes. Eigentlich so, wie es in der Förster-Calf-Cloud auf dem Handy schon gezeigt wird. Solch eine Anzeige fehlt uns insbesondere bei gerade anzulernenden Kälbern, direkt am CalfRail-Arm. Eine große, aus der Entfernung gut lesbare Leuchtanzeige könnte hier unsere Arbeit unterstützen.

7. Wohl für viele Leser die interessanteste Frage: würden Sie sich mit dem Wissen von heute wieder oder erst recht dafür entscheiden?

Ja, sowohl wir als Betrieb, als auch unsere Tierärztin sind erfreut über die Entwicklung und bestärkt in unserer Entscheidung und würden sie wieder so treffen.

Vielen Dank Herr Blaschke.

    • Bianca Bosma
    • 10. August 2021
    Antworten

    Und wieder eine Werbeanzeige für Förster Calf-Rail.
    Der Betriebsleiter sagt selbst im Interview, daß die Kälber nach 40 Tagen mit einem Gewicht von 60 – 80 kg umgestellt werden, Sie sprechen aber von einer nahezu Verdopplung ?
    Bei 60 kg und einem Geburtsgewicht von 45 kg sprechen wir von 400 gr Tageszunahme, das soll dann also gut sein ?
    Ich habe selbst einige Calf-Rail im Einsatz gesehen. Das Produkt ist gut für Kälber mit mindestens 14 Tagen Lebensalter, da die dann auch eine vernünftige Sauggeschwindigkeit erzielen… ein kleines Kalb erzielt in den ersten Tagen am CalfRail 150 – 250 ml / Minute, nach 5 Minuten ist das k.o. vom Trinken und hat nen guten Liter Milch aufgenommen… das kann nicht das Ziel in der Fütterung der ersten 14 Tage sein und ist sehr weit entfernt von AdLibitum Tränke.
    Ebenfalls passt das nicht zum 40-Fit Plan.
    Warum also Werbung dafür machen ?

    • Jürgen Plesse
    • 13. August 2021
    Antworten

    Wenn man auf der einen Seite die höchsten (45kg Geburtsgewicht) und auf der anderen die niedrigsten (60kg LM) annimmt, stimmt, was Sie schreiben. Das entspricht aber nicht der Realität. Kälber mit 30-40 kg Geburtsgewicht werden mit 60-70 kg umgestellt. Die mit höheren Geburtsgewichten entsprechen höher. Die Zunahmen liegen (in den ersten 40 Tagen!) zwischen ca. 850 und 1100 g/d.
    Die Sauggeschwindigkeiten starten mit rund 200 ml/min, was für Kälber in der ersten Woche normal und gut ist. Die Tränkeaufnahmen sind von der Konzentration und anderen Parametern abhängig. In der Regel liegen Sie in der ersten Woche bei 3-5 l/d. Entscheidend ist die Entwicklung. Hier sehen wir, dass die Kälber bereits am Ende der zweiten LW 1 kg TM und mehr aufnehmen. Aus 1kg TM Tränke werden ca. 800-850g Körpermasse erzeugt. Effektiver geht es nicht.
    Auch hier ist natürlich vorausgesetzt, dass alle anderen Umweltbedingungen optimal gestaltet sind (Luft, Nesting, etc.)
    Gegenüber kalt saurer ad libitum-Tränke zeigt sich, dass trotz geringerer Tränkeaufnahme höhere Zunahmen erzielt werden. Die Ursachen dafür zu erläutern, würde hier den Rahmen sprengen.
    Sie können sich diesbezüglich gerne direkt bei mir melden.

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