Kälbergesundheitsstall: Schöner und besser Wohnen für Kälber

Hallo liebe Milchviehalter, heute geht es um schöner und besser Wohnen für Kälber. Iglus im Freien galten über Jahre hinweg als DIE optimale Haltungsform von Kälbern bis zum Absetzen. Doch dieser Nimbus wackelt derzeit gehörig, denn neue Kälbergesundheitsställe kompensieren nicht nur die Nachteile, die Iglus mit sich bringen, sondern tragen auch dem „Pflegepersonal” und ihren Bedürfnissen mehr Rechnung. Ein solcher Stall unterscheidet sich grundlegend von einem Kuhstall. Auf was es im Detail ankommt, erfahrt ihr hier….

Hallo liebe Milchviehalter, heute geht es um schöner und besser Wohnen für Kälber. Iglus im Freien galten über Jahre hinweg als DIE optimale Haltungsform von Kälbern bis zum Absetzen. Doch dieser Nimbus wackelt derzeit gehörig, denn neue Kälbergesundheitsställe kompensieren nicht nur die Nachteile, die Iglus mit sich bringen, sondern tragen auch dem „Pflegepersonal” und ihren Bedürfnissen mehr Rechnung. Ein solcher Stall unterscheidet sich grundlegend von einem Kuhstall. Auf was es im Detail ankommt, erfahrt ihr hier….

Gepostet von in Kälberaufzucht, Kälbergesundheit, Kälberstall, Stall Kälber am 28. Juli 2020
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Kälbergesundheitsstall: Schöner und besser Wohnen für Kälber

Hallo liebe Milchviehhalter, heute geht es um schöner und besser Wohnen für Kälber. Iglus im Freien galten über Jahre hinweg als DIE optimale Haltungsform von Kälbern bis zum Absetzen. Doch dieser Nimbus wackelt derzeit gehörig, denn neue Kälbergesundheitsställe kompensieren nicht nur die Nachteile, die Iglus mit sich bringen, sondern tragen auch dem „Pflegepersonal” und ihren Bedürfnissen mehr Rechnung. Ein solcher Stall unterscheidet sich grundlegend von einem Kuhstall. Auf was es im Detail ankommt, erfahrt ihr hier.

Iglus haben bei Wetterwechsel, Hitzestress, der oft fehlenden Möglichkeit der Pärchenhaltung sowie der meist nicht optimalen Krankheitsfrüherkennung gerade in Schlechtwetterphasen ihre Grenzen. Doch wie kann Kälberhaltung im Stall gelingen? Waren nicht aus dieser scheinbaren Unvereinbarkeit von Kühen und Kälber unter einer Stalldecke letztere damals aus dem Gebäude „geflogen”?

Das Konzept des sogenannten „Kälbergesundheitsstalles” zielt darauf ab, alle bewährten Vorteile aus der Igluhaltung wieder mit in den Stall zu verlegen, die Nachteile dabei aber aussen vor zu lassen. Es hat zudem das Ziel, den Bedürfnissen von Mensch und Tier noch gerechter als bisher zu werden. Ein solcher Kälberstall unterscheidet sich deshalb auch grundlegend vom Plan eines Kuhstalles. Auf diese Punkte kommt es hier vor allen Dingen an:

1. Permanente zugfreie Frischluftzufuhr
Kühe erzeugen genügend eigene Thermik, um die natürliche Belüftung zu gewährleisten, Kälber hingegen sind sehr zugluftempflindlich und tolerieren lediglich 0,3 m/s. Kühe können dagegen locker das 10-15fache aushalten. Ein Kalb mit 50 kg Körpergewicht beansprucht ein Stallluftvolumen von etwa 14 m3 in der Stunde. In der warmen Jahreszeit sollte die Luft im Stall einmal pro Minute komplett ausgetauscht werden, im Winter und Herbst dagegen nur jede Viertelstunde. Deshalb muss ein neuartiger Kälberstall maximal offen sein können im Sommer, aber auch bei Schlechtwetterlagen genügend Schutz bieten bei einer hohen Luftqualität. Die beiden Hauptelemente hier sind Curtains, die bis zum Boden reichen, und Schlauchbelüftungen, die eine permanente Frischluftzufuhr ohne Zug gewährleisten. Über einen schmalen First muss die verbrauchte Luft dann entweichen können.

2. Perfektes Mikroklima
Kälber erzeugen bei weitem weniger Eigenwärme als Kühe, deshalb ist es umso wichtiger, dafür zu sorgen, dass sie nicht auskühlen. Man muss ihnen die Möglichkeit geben, tief im Stroh versinken zu können. Dafür wurde extra ein sogenannter „Nest Score” von der Universität Wisconsin entwickelt. Kälber, die einen hohen Nestscore von 3 Punkten hatten, bekamen 3x weniger Lungenprobleme als wenn sie komplett oben auf der Einstreu lagen (Nest Score 1). Die Forscher in Wisconsin entwickelten in diesem Zusammenhang auch eine spezielle Kälberbox.

3. Die eigenen vier Wände
Die Kälberbox aus Wisconsin besticht gleich durch mehrere Innovationen; sie bietet den Kälbern mit bis zu 3 m2 deutlich mehr Platz als bisher und reduziert so die Schadgasbelastung um gut zwei Drittel. Eine Drainage im Boden hilft darüber hinaus weiter Stroheinstreu einzusparen und vermeidet üble Gerüche. Die seitlichen Trennwände sind geschlossen und auch nach vorne zum Futtergang hin ausgezogen, um die Infektionsgefahr durch direkte Berührung weiter zu reduzieren. Im Unterschied zu offenen Trennwänden konnten so Atemwegsprobleme um bis zu 70% reduziert werden. Die vorderen und hinteren Boxentrennwände sind dagegen offen und erlauben den geregelt-kontrollierten Luftwechsel in der Bucht durch die Überdruck-Schläuche. Bei offenen Curtains haben die Kälber zudem freie Sicht nach aussen und erleben eine hohe Lichtintensität, die sich zusätzlich förderlich auf das Immunsystem und die Gesundheit auswirkt.

Auch bei den Gruppenbuchten setzt der Kälbergesundheitsstall neue Maßstäbe. Die seitlichen Trennwände reichen unabhängig von der jeweiligen Einstreu bis zum Boden und verhindern eine gefährliche Quer- und damit Störzugluft. Durch den kontrollierten Luftstrom wird sowohl ein individuelles sowie Gruppen-Mikroklima ohne die sonst traditionell erforderlichen Kälbernester ermöglicht. Diese abgehängten „Rückzugsorte” bremsen oft den Luftwechsel komplett aus und leisten damit Lungenentzündungen Vorschub. Sollte tatsächlich mal ein Kalb in der Gruppe im Kälbergesundheitsstall krank werden, ist die Gefahr äussert gering, dass sich das Grippegeschehen auf die Nachbargruppen im Stall ausbreiten kann. Mit einer Luftgeschwindikgeit von 0,3 m/s durch die Belüftungsschläuche werden Staub und Grippeerreger aus dem Stall geschleust.

4. Kein Stress beim Umzug
Jeglicher Orts- oder Gruppenwechsel bedeutet für die kleinen Kälber als Herdentiere puren Stress, mit all seinen negativen Konsequenzen. Im Konzept des Kälbergesundheitsstalles wird das „Null Stress”-Prinzip hier vorbildlich umgesetzt. Die Trennwände der Einzelbuchten lassen sich herausziehen und ermöglichen so eine frühestmögliche, paarweise bzw. Gruppenhaltung. So werden an Ort und Stelle ohne „Umzug” die Gruppen formiert und können so sogar über das Absetzen hinaus im Stall und auf Stroh gehalten werden.

5. Maximale Betreuungseffizienz
Bei allen Wetterlagen draussen zu arbeiten kann für Mitarbeiter demotivierend sein. Am Ende leiden darunter aber die empfindlichen Kälber, wenn die erforderliche Aufmerksamkeit nachlässt. Im klimatisierten Kälbergesundheitsstall riecht es nie nach „Rind”, die Luft ist immer frisch und man arbeitet in einer gewissen und stabilen Komfortzone. Mitarbeiter werden dadurch vor Staub und extremen Wettereinflüssen geschützt und bleiben länger motiviert. Die Krankheitsfrüherkennung geschieht dadurch eher, auch weil die Tierkontrolle leichter fällt. Das maschinelle Entmisten als ein wesentlicher Arbeitsfaktor gestaltet sich effizienter, da die Trennwände der Einzelbuchten herausgezogen und die Mistachsen der Gruppenabteile separat bedient werden können.

6. Flexibles Fütterungsregime
Mit allen am Markt existenten Fütterungsprogrammen und -techniken lässt sich der Kälbergesundheitsstall problemlos kombinieren: Von Eimertränke über mobile Vertränkung bis hin zur maximal arbeitseffizienten, vollautomatisierten, individuellen Fütterung in Einzel- oder Gruppenhaltung. Ein weiterer wesentlicher Vorteil gegenüber der traditionellen Igluhaltung.

Nachdem die Betriebe in den letzten 10 Jahre in der Summe gewaltig gewachsen sind und die Arbeitswirtschaft bei zunehmenden Fachkräftemangel immer mehr an ihre Grenzen kommt, sind ganzheitliche Konzepte nun vor allen Dingen bei der Jungviehaufzucht gefragt. Die Igluaussenhaltung entspricht dabei immer weniger den sich verändernden Bedürfnissen von Tier und Mensch. Konzepte wie die des Kälbergesundheitsstalles tragen dem Rechnung und wurden unter anderem dafür auch mit dem Tierwohlpreis der bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet. Antibiotikaeinsparungen von 80% und mehr, bei gesünderen Kälbern in Kälbergesundheitsställen und deutlich motiviertere Landwirte und Mitarbeiter, sind gute Argumente gegenüber einer auch einer kritischer werdenden Verbraucherschaft. Mehr Infos dazu findet ihr auch in den Links in der Blogroll.

Wie sind eure Erfahrungen oder Erwartungen? Welchen Kälberstall wünscht ihr euch? Ich freue mich wieder auf einen spannenden Dialog mit euch.

Euer Peter Zieger

    • Mathias Nadlinger
    • 19. November 2020
    Antworten

    Hallo Herr Dr. Peter Zieger

    Wir möchten gerne einen neuen Kälberstall bauen, bitte um Kontaktaufnahme !

    Mfg Mathias

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