Kälber sind die Zukunft der Milchviehbetriebe

Hallo liebe Milcherzeuger, warum gibt es KÄLBERBLOGGER.DE? Die Antwort ist einfach: Weil Kälber immer noch die Sorgenkinder unserer heimischen Landwirtschaft sind. Viele haben noch nicht realisiert, dass Kälber unsere Babys sind. Die nächste Generation. Die Hoffnungsträger, die das Überleben und das wirtschaftliche Wachstum der Milchviehbetriebe sichern. Deshalb sollten sie mit großer Sorgfalt gehalten, ernährt und aufgezogen werden. Mit KÄLBERBLOGGER.DE will ich dazu beitragen, dass eure Kälber ihr gesamtes genetisches Potential ausschöpfen. Freut euch auf ein hochinteressantes interview mit Prof. Dr. Anke Schuldt und Dr. Regina Dinse von der Hochschule Neubrandenburg…

Hallo liebe Milcherzeuger, warum gibt es KÄLBERBLOGGER.DE? Die Antwort ist einfach: Weil Kälber immer noch die Sorgenkinder unserer heimischen Landwirtschaft sind. Viele haben noch nicht realisiert, dass Kälber unsere Babys sind. Die nächste Generation. Die Hoffnungsträger, die das Überleben und das wirtschaftliche Wachstum der Milchviehbetriebe sichern. Deshalb sollten sie mit großer Sorgfalt gehalten, ernährt und aufgezogen werden. Mit KÄLBERBLOGGER.DE will ich dazu beitragen, dass eure Kälber ihr gesamtes genetisches Potential ausschöpfen. Freut euch auf ein hochinteressantes interview mit Prof. Dr. Anke Schuldt und Dr. Regina Dinse von der Hochschule Neubrandenburg…

Gepostet von in genetisches Potential, Kälberaufzucht, Kälbergesundheit, wirtschaftliches Wachstum, Wirtschaftlichkeit am 28. Juli 2020
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Kälber sind die Zukunft der Milchviehbetriebe

Hallo liebe Milcherzeuger, warum gibt es KÄLBERBLOGGER.DE? Die Antwort ist einfach: Weil Kälber immer noch die Sorgenkinder unserer heimischen Landwirtschaft sind. Viele haben noch nicht realisiert, dass Kälber unsere Babys sind. Die nächste Generation. Die Hoffnungsträger, die das Überleben und das wirtschaftliche Wachstum der Milchviehbetriebe sichern. Deshalb sollten sie mit großer Sorgfalt gehalten, ernährt und aufgezogen werden.

Wenn wir aus dem häufigen Blindflug in der Kälberaufzucht ein Qualitätsprogramm machen, rechnet sich das am Ende um ein Vielfaches. So beziffern die Gewinner des MSD Tierzuchtpreises den Mehrwert der Milchlebensleistung auf rund 1.000 € pro Kalb bzw. Milchkuh. Das ist ein beindruckender Wert. Glasklar ist, der Grundstein hierfür wird in der frühen Jugend der Tiere gelegt. Mit KÄLBERBLOGGER.DE will ich dazu beitragen, dass eure Kälber ihr gesamtes genetisches Potential ausschöpfen. Und nicht nur einen kleinen Teil wie bisher.

Sicher, viele Kälberthemen sind euch eigentlich bekannt. Sie gehen aber im Arbeitsalltag oft unter. In Kooperation mit dem Kälbertränke-Spezialisten Förster-Technik und mit weiteren, ausgesuchten Experten aus Technik, Wissenschaft und Praxis möchte ich das Qualitätsprogramm Kälberaufzucht immer wieder ins Bewusstsein rufen. Tipps für die tägliche Arbeit anbieten. Dabei werde ich natürlich auch auf meine eigenen Erfahrungen als Tierarzt und Berater zurückgreifen. Das ist die Vision, der Auftrag und das Leitbild von KÄLBERBLOGGER.DE.

Und nebenbei – gut aufgezogene Kälber sichern nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg, sie machen auch viel mehr Spaß. Der darf nicht zu kurz kommen.

In diesem Blogpost möchte ich gleich zwei renommierte Expertinnen für die Kälberaufzucht befragen: Prof. Dr. Anke Schuldt und Dr. Regina Dinse von der Hochschule Neubrandenburg. Beide erforschen seit Jahren die Kälberaufzucht und haben viele praktische Feldstudien durchgeführt und publiziert.

Hallo Frau Prof. Dr. Schuldt, hallo Frau Dr. Dinse. Willkommen auf Kälberblogger.de. Danke, dass sie sich Zeit genommen haben mir einige Fragen zu beantworten.

1. Welchen Einfluss hat eine optimale Kälberaufzucht auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Milchviehbetriebs?

Gesunde und vitale Kälber sind die Basis für leistungsfähige, langlebige Kühe und somit für den wirtschaftlichen Erfolg der Milchviehhaltung. Fehler, die Betrieben in der Kälber- und Jungrinderaufzucht unterlaufen, können später nicht mehr ausgeglichen werden und die Tiere können ihr genetisches Potential nicht ausschöpfen. Die Nutzungsdauer der Kühe ist in Deutschland mit weniger als drei Jahren immer noch viel zu niedrig, trotz aller Initiativen von Wissenschaft, Beratung und landwirtschaftlichen Unternehmen. Mangelhaft aufgezogene Jungtiere verlassen aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und/oder niedriger Leistung häufig viel zu früh die Herden. Um dies zu verändern, muss daher die Optimierung der Kälber- und Jungrinderaufzucht stärker in den Fokus gelangen. In der Praxis gibt es diesbezüglich noch Reserven.

2. Welchen ökonomischen Vorteil für einen Milchviehbetrieb hat der Einsatz von automatisierten Fütterungssystemen bei der Kälberaufzucht?

Aus ökonomischer Sicht sind solche technischen Einrichtungen allein schon wegen der erheblichen Arbeitszeit- und -krafteinsparung von Vorteil. Die Kälber profitieren davon, weil sie „rund um die Uhr“ Milch oder Milchaustauschertränke (MAT) aufnehmen können, wann immer sie wollen. Das wiederum bedeutet, dass die Kälber sich ihrem natürlichen Verhaltensrhythmus entsprechend mit Tränke versorgen können, was sich nachweislich positiv auf das Wohlbefinden der Tiere, ihre Gesundheit und die Verringerung von Verhaltensanomalien, wie z.B. gegenseitiges Besaugen, auswirkt. Die Managementprogramme der automatisierten Fütterungssysteme liefern zudem eine Vielzahl von wertvollen Informationen, die Hinweise auf das Tränkeaufnahmeverhalten der Kälber geben. Daraus lässt sich auf den Gesundheitsstatus und die späteren Leistungen der Tiere schließen. Dieser große Vorteil wird gegenwärtig in der Praxis aber leider noch nicht in ausreichendem Maße genutzt.

3. Was sind nach Ihrer Meinung die wichtigsten Punkte, um Kälber gesund aufzuziehen?

Aus unseren Untersuchungen in Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Unternehmen konnten wir für die Kälberfütterung während der Aufzucht folgende Empfehlungen für die Praxis ableiten: Eine Versorgung mit mindestens 10 l Mischkolostrum/Vollmilch bis zum 14. Lebenstag. Bis zum 21. Lebenstag, auch in der Einzelhaltung, eine Gabe von 12 l Vollmilch oder MAT pro Tier und Tag. In der Gruppenhaltung benötigen die Kälber ein tägliches Tränkeanrecht von mindestens 12 l, besser 14 l MAT bis zum 49. Lebenstag mit einer Konzentration von 160 g Milchaustauscherpulver je Liter Tränke oder Vollmilch mit Ergänzer. Dies ist erforderlich, da eine nennenswerte Steigerung der Beifuttermenge, auch bei niedrigeren Tränkeanrechten und einem früheren Beginn des Abtränkens, erst ab der 8. Lebenswoche erfolgt. Defizite in der Energie- und Proteinversorgung durch ein zu geringes Tränkeangebot können nicht über das Beifutter ausgeglichen werden. Das Abtränken beginnt am 50. Lebenstag mit 0,4 bis 0,45 l pro Tag, das Absetzen folglich ab dem 70. beziehungsweise 85. Lebenstag. Wasser und Beifutter (Heu, Trogfutter) muss von Beginn an ad libitum bereitgestellt werden. Auch Betriebe ohne automatische Fütterungssysteme können von diesen Erkenntnissen profitieren. Hier sind betriebsindividuelle Konzepte gefragt, die i.d.R. in Zusammenarbeit mit der Beratung erarbeitet und dann umgesetzt werden können.

4. Wo sehen Sie aktuell das größte Potential in der heutigen Situation der Kälberaufzucht bzw. Kälbergesundheit?

Neben der beschriebenen Fütterung während der Kälberaufzucht darf natürlich die rechtzeitige und ausreichende Versorgung der Kälber direkt nach der Geburt mit Kolostrum (Biestmilch) nicht vernachlässigt werden. Wir wissen aus unseren Erhebungen, dass die Färsenaufzucht einen deutlichen Effekt auf die Biestmilchqualität ausübt. Insofern hat die Aufzucht der Muttertiere auch einen Einfluss auf Gesundheit und Entwicklung ihrer Kälber.

5. In welchem Zusammenhang steht das Tränkeverhalten (Menge, Sauggeschwindigkeit, Besuche etc.) eines Kalbes zur Gesundheit und Fruchtbarkeit der späteren Kuh?

Wir haben aus den Daten, die ein Kälbermanagementprogramm routinemäßig abspeichert, einen Index zum Tränkeverhalten erarbeitet, der die mittlere Tränkemenge in Liter je Tier und Tag bis zum 49. Lebenstag und die mittlere Anzahl Besuche an der Tränkestation je Tier und Tag zusammenfasst und Indexklassen zugeordnet (< 12, ≥ 12 bis < 16 sowie ≥ 16). Je höher der Index ausfällt, d.h. je höher die Tränkeaufnahme und die Anzahl der Besuche, desto weniger häufig erkranken die Kälber bis zur Geschlechtsreife und Erkrankungen verlaufen milder und kürzer. Die Tiere haben darüber hinaus mit steigendem Index ein niedrigeres Erstbesamungs- und Erstkalbealter und die Abgangsrate bis zur Zuchtreife geht spürbar zurück. Bei den Erstkalbinnen sind mit steigendem Index mehr Leicht- und weniger Totgeburten zu verzeichnen.

6. Wie wirkt sich eine optimale Kälberaufzucht auf den züchterischen Fortschritt der Kühe aus?

Eine optimale Fütterung der Kälber trägt dazu bei, das genetische Potential der Kühe besser auszuschöpfen. Nach wie vor üben die Umweltfaktoren in der Tierhaltung einen wesentlichen Einfluss auf die Leistungen, insbesondere die Fruchtbarkeit, aus. Es geht also darum, die Haltungsbedingungen der Tiere, zu denen auch die Fütterung zählt, zu optimieren. Wenn durch eine optimierte Fütterung Gesundheit und Fruchtbarkeit positiv beeinflusst werden, wirkt sich dies auch auf die Nutzungsdauer aus und damit auf die Selektionsbasis in den Herden. Weniger Zwangsmerzungen ermöglichen eine stärkere Leistungsselektion, was der Zuchtauswahl zugutekommt.

7. Wie werden wir in 10 Jahren Kälber aufziehen?

Unser Wunsch? Die Kälber werden nach Bedarf und Bedürfnis versorgt, d.h. wie unter Punkt 3 bereits beschrieben, mit einer unbeschränkten hohen Tränkeaufnahme, solange dies erforderlich ist. Natürlich müssen diese Empfehlungen an die jeweils aktuellen Bedingungen und das genetische Potential der Tiere angepasst werden. Das darf nach unserer Auffassung aber niemals eine Anpassung „nach unten“ sein, also keine Fütterung mit einem Angebot von weniger als 12 l Tränke pro Tier und Tag bis zum 49. Lebenstag.

8. Was würden Sie einem Milchviehbetrieb empfehlen, der seine Kälberaufzucht optimieren will?

Aus heutiger Sicht empfehlen wir den hier bereits beschriebenen „Fahrplan“ für die Kälberaufzucht (s. Punkt 3). Betriebe, die ihre Tiere so aufziehen, verfügen nach dem Absetzen über gesunde und stabile Kälber mit einem hohen Futteraufnahmevermögen, die auch im weiteren Verlauf der Aufzucht wenig gesundheitliche Probleme zeigen. Die während einer intensiven Kälberaufzucht aufgewendeten Mehrkosten für Milch und Milchaustauscher werden durch die geringere Anzahl und Dauer der Erkrankungen im Vergleich zu einer knappen Milchversorgung mit maximal 8 l pro Tier und Tag mehr als ausgeglichen. Bis zum Ende der Tränkeperiode entsteht nach unseren Untersuchungen hierdurch ein Vorteil in Höhe von ca. 90 € pro Kalb. Eine angepasste Fütterungsstrategie für die Zeit nach dem Absetzen ist hierfür aber erforderlich.

Frau Frof. Dr. Schuldt, Frau Dr. Dinse, danke für dieses ausführliche Interview. Zeigt es doch einmal mehr, dass wir bei der Kälberaufzucht noch sehr viel Potential haben. Lasst es uns nutzen.

Es liegt mir sehr am Herzen das Thema „gesunde Kälber“ in den Fokus zu rücken. Von den Besten zu lernen, bereit sein, eingefahrene Wege und Praktiken zu hinterfragen und – wenn nötig – auch zu verlassen. Natürlich geht es am Ende immer uns Geld. Aber wir sollten nicht vergessen – Kälber spielen auch für unsere Emotionen, für das Wohlbefinden auf den Betrieben eine große Rolle. Und Bilder von gesunden und glücklichen Kälbern gefallen auch den Verbrauchern. Das hilft das Vertrauen in die Landwirtschaft und Milchviehhaltung zu stärken.

Lasst es uns gemeinsam anpacken. Ich freue mich auf einen spannenden Dialog mit euch.

Euer Peter Zieger

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