Wenn ich groß bin gebe ich 1.268 kg mehr Milch / Jahr – einfach so?

Deutschland ist ein Land, auf welches der Rest der Welt mit Respekt und Hochachtung geblickt hat. Made in Germany war der Inbegriff für Tugenden wie preussische Genauigkeit, Strebsamkeit, Erfindungsreichtum und Technologieführerschaft. Leider gehört das scheinbar nun alles der Vergangenheit an. Mir liegt es fern den Berufspessimisten zu spielen, aber ich finde es schon erschreckend, wieviel auf breiter Front bei uns nicht mehr so gut funktioniert wie vor gar nicht allzulanger Zeit.

Deutschland ist ein Land, auf welches der Rest der Welt mit Respekt und Hochachtung geblickt hat. Made in Germany war der Inbegriff für Tugenden wie preussische Genauigkeit, Strebsamkeit, Erfindungsreichtum und Technologieführerschaft. Leider gehört das scheinbar nun alles der Vergangenheit an. Mir liegt es fern den Berufspessimisten zu spielen, aber ich finde es schon erschreckend, wieviel auf breiter Front bei uns nicht mehr so gut funktioniert wie vor gar nicht allzulanger Zeit.

Gepostet von in Kälberaufzucht, Kälbergesundheit am 17. Februar 2026
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wenn ich groß bin, gebe ich 1.268 kg mehr Milch pro Jahr - einfach so?

Landwirte sind seit jeher in der misslichen Situation, ihre Arbeit immer effizienter gestalten zu müssen, ohne am Ende mehr netto übrig zu haben. Dafür gibt es zwar sogar von Seiten der Automobilindustrie Lob und Bewunderung über so viel Innovationskraft, aber viele Betriebe sind seitdem leider auch finanziell auf der Strecke geblieben.

Der vergessene Profitfaktor im Betrieb – die Kälberaufzucht!

Einen Bereich, den viele Landwirte nicht auf dem Zettel zur Steigerung des Betriebserfolgs haben, ist die intensive Kälberaufzucht. Nach der PraeRi-Studie Rind aus 2021 tränken nämlich gerade mal knapp ein Viertel der Bauern ihre Kälber mit 12 Litern pro Tag und erzielen so recht zuverlässig Wachstumsraten von über 1 kg pro Tag.

Meist hält man Milch oder Milchaustauscher aus Kostengründen zurück – und erkennt nicht, welches Potential damit den Kälbern vorenthalten wird.

Intensive Tränke – ein echter Game Changer?

Warum gerade die intensive Tränke ein echter „Game Changer“ sein könnte, zeigt nun endlich auch wieder eine deutsche Studie. Zwar kennen viele Landwirte mittlerweile den Begriff der metabolischen Programmierung, aber die wenigsten setzen dies überzeugt in der Praxis um.

Wissenschaftler der Universität Bonn und der Neumühle aus der Westpfalz (Hemmert et al., 2026 in press) konnten nun zeigen, dass Kälber, die mehr als 1.060 g am Tag zunehmen, später als Erstlaktierende sage und schreibe 1.268 kg mehr Milch produzieren als Kälber mit nur 840 g Tageszunahmen.

Die Zahlen hinter dem Erfolg

Die Kälber bekamen in den ersten 14 Tagen jeweils 2 × 6 Liter Milchaustauschertränke (140 g/Liter) im Eimer, ehe sie an den Tränkeautomaten (Fa. Förster-Technik GmbH) in die Gruppe umgesetzt wurden.

Die leistungsstärkeren Kälber gingen rund 10-mal täglich an die Station – also durchschnittlich zweimal häufiger als die Vergleichsgruppe.

Effektiv bedeutet das: Diese Tiere melken in der Laktation täglich 3,8 kg mehr Milch (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1Milchproduktion von Kälbern nach Aufzucht mit unterschiedlichen Tageszunahmen (Hemmert et al., 2026)

52,50 € mehr investieren – 443 € zurückbekommen?

Diese Mehrzunahmen resultieren bei einem angenommenen Milchpreis von 0,35 €/kg in einem Netto-Mehrerlös von 443 Euro pro Tier.

Für die höheren Tageszunahmen nahmen die Kälber etwa 1,5 Liter Milch pro Tag mehr auf. Bei rund 100 Tränketagen entspricht das 150 Litern zusätzlicher Milch – Mehrkosten von etwa 52,50 Euro.

Das ergibt ein wirtschaftliches Verhältnis von rund 8,4 : 1.

Und hier ist lediglich die höhere Milchleistung berücksichtigt.

Langfristig sogar 20 : 1 – und mehr?

Ähnliche Studien zeigen zusätzlich:

  • Schnell wachsende Kälber werden früher wieder tragend
  • Sie haben mehr als 10 % längere Produktionsphasen
  • Auch in den Folge-Laktationen bleibt die Mehrleistung bestehen

Langfristig kann daher von einem Kosten-Nutzen-Verhältnis von 20 : 1 und darüber hinaus ausgegangen werden.

Die Erstlaktation entscheidet über den Herdendurchschnitt.

Jeder von uns würde diesen Deal machen, oder?

Wir wissen, dass Kälber die Basis jedes Betriebs sind. Umfangreiche Daten aus den USA zeigen zudem klar: Die Höhe der Erstlaktation beeinflusst maßgeblich den späteren Herdendurchschnitt.

Eine erfolgreiche Kälberaufzucht steigert somit nicht nur die Einzelleistung, sondern die Effizienz des gesamten Betriebs.

Jetzt ist die Zeit, die Kälber in den Fokus zu rücken.

Mit automatischer Tränke- und digitaler Sensortechnik, die eine bessere Futtereffizienz und Gesundheitsüberwachung ermöglicht und gleichzeitig dem natürlichen Saugbedürfnis der Kälber entgegenkommt, erreichen Tiere deutlich häufiger die „magische Grenze“ von rund 1.000 g Tageszunahme.

Dafür brennt mein Herz.

Und umso mehr freut es mich, dass wir nun endlich auch wieder eine heimische Studie haben, die mit deutschen Zahlen zeigt, welches enorme Potential viele Betriebe noch immer ungenutzt lassen.

Packen wir es gemeinsam an! Euer Kälberblogger, Peter Zieger

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