Close-up Kühe sind die teuersten Kühe!

Die Vorbereitung auf die Kalbung ist weit mehr als nur eine Verschnaufpause für die Kuh und die Anfütterung der Pansenmikroben. Die sogenannten „Close-up“ Phase legt den Grundstein für die Laktationskurve nach dem Abkalben und – noch nicht so bekannt – bestimmt auch wesentlich die Kolostrumqualität. Ganz neu dagegen ist, dass diese maximal drei Wochen auch einen lebenslangen Einfluss auf das Kalb und somit auf die nächste Kuhgeneration hat.

Die Vorbereitung auf die Kalbung ist weit mehr als nur eine Verschnaufpause für die Kuh und die Anfütterung der Pansenmikroben. Die sogenannten „Close-up“ Phase legt den Grundstein für die Laktationskurve nach dem Abkalben und – noch nicht so bekannt – bestimmt auch wesentlich die Kolostrumqualität. Ganz neu dagegen ist, dass diese maximal drei Wochen auch einen lebenslangen Einfluss auf das Kalb und somit auf die nächste Kuhgeneration hat.

Gepostet von in Kälberaufzucht, Kälbergesundheit, Kühe am 24. Juli 2026
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Close Up Kühe Transitstall

Close-up Kühe sind die teuersten Kühe!

Die Vorbereitung auf die Kalbung ist weit mehr als nur eine Verschnaufpause für die Kuh und die Anfütterung der Pansenmikroben.

Die sogenannten „Close-up“ Phase legt den Grundstein für die Laktationskurve nach dem Abkalben und – noch nicht so bekannt – bestimmt auch wesentlich die Kolostrumqualität. Ganz neu dagegen ist, dass diese maximal drei Wochen auch einen lebenslangen Einfluss auf das Kalb und somit auf die nächste Kuhgeneration hat.

In diesen letzten 3 Wochen bis zur Kalbung wächst das Kalb in der Gebärmutter überproportional stark an. Rund 40% des späteren Geburtsgewichtes legt das Kalb in diesen kurzen Zeit zu. Die Kuh muss mit Uterusflüssigkeiten gut 100 kg und mehr mit sich herumschleppen, der Bauchraum wird enger und drückt mächtig auch auf den Appetit. Die Kuh kommt nur noch 8-10 x zum Fressen und Saufen und liegt dafür umso länger.

Die Anforderungen an die Deckung der elementaren Bedürfnisse steigt in dieser Phase ebenfalls überproportional stark an.

Wieviel Platz brauchen Close-up Kühe heute?

Während wir noch vor knapp 10 Jahren von einem Platzbedarf von 10 qm pro Kuh in der Close-up Phase ausgingen, reicht dies heute bei weitem nicht mehr aus. Es gilt seitdem in der Praxis die goldene Regel, wonach bei jeder 1000 Liter Mehrleistung über 10.000 kg ein extra Quadratmeter Platz mehr den Kühen einzuräumen ist. Das heißt, dass die heutigen 15.000er Betriebe, ihren Kühen fast ausnahmslos mindestens 15 qm zur Verfügung stellen, einige sogar deutlich mehr. Die Kühe danken es mit nie dagewesenen Hochleistungen.

Genauso mehr Raum brauchen die Kühe am Fressgitter. Ging man bislang von 85 cm aus, muss man heute feststellen, dass Kühe überhaupt keinen Körperkontakt mit ihren Kolleginnen in der Hochträchtigkeit wollen. So bleibt meist jeder zweite Platz am Fressgitter frei. Diese Beobachtung hat dazu geführt, dass echte Profis ihren Vorbereitern zwei Futtertische mittlerweile anbieten, genauso wie 2 Tränken, die im Idealfall diagonal von einander entfernt sind.

Und noch eins darf nicht vergessen werden: Hitzeschutz ist heute für Trockensteher wichtiger denn je, denn: Hitzestress über Temperatur-Luftfeuchte-Index, THI 55 (13°C/70 % relative Luftfeuchte bzw. 18°C/30% RLF) bedeutet in dreifacher Generationshinsicht Leistungseinbußen. Die Kuh selbst gibt weniger Milch, deren noch ungeborene Tochter ebenfalls (über aktuell gemessene drei Laktationen!) und sogar die Enkeltochter. Damit wird am meisten Milch perspektiv gesehen im Close-up Bereich verschenkt! Praktischerseits heisst das, dass hier die Ventilatoren bereits viel früher laufen müssen als in der laktierenden Herde.

Wie empfindlich Close-up Kühe hinsichtlich ihres noch ungeborenen Nachwuchses tatsächlich sind haben mehrere aktuelle Studien gerade eindrucksvoll gezeigt.

Stress vor der Kalbung wirkt bis ins ungeborene Kalb

Was Humanwissenschaftler schon längst bewiesen haben, gelingt nun auch Forschern im Rinderbereich. Sie konnten zeigen, dass sich jeglicher Stress der trockenstehenden Kuh direkt auch auf das noch ungeborene Kalb auszuwirken vermag. Was ja offensichtlich nachvollziehbar ist, denn der Fetus kann sich durch den gemeinsamen Blutkreislauf nicht den schädlichen Auswirkungen entziehen. Zwar ist die Plazentarschranke für sehr große Moleküle wie vorallen Dingen, den Antikörpern, nicht passierbar (deshalb ist die unmittelbare Aufnahme von Kolostrum nach der Geburt ja so überlebenswichtig!), aber alle sonstigen Blutbestandteile wandern unbeeinträchtigt auch in den Fetus über.

Chinesische Wissenschaftler untersuchten nun, inwieweit eine negative Energiebilanz (erhöhte Ketonkörperwerte im Blut) in der Close-up Phase 3 Wochen vor der Abkalbung, die Entwicklung des noch ungeborenen Fetus in den ersten 4 Lebenswochen beeinträchtigen kann.

Das Ergebnis verblüffte nicht nur die Wissenschaftler, sondern seitdem die ganze Fachwelt: Haben die Kühe nur bereits schon leicht erhöhte Ketonkörperwerte (Beta-Hydroxy-Buttersäure) von 0,6 mmol/l im Blut, dann erhöhen sich die Krankheitsanfälligkeiten der Kälber in den ersten vier Wochen um 70-100 %. Neben den Blutketonkörperwerten wurden auch Stresshormone in den Kälbern direkt nach der Geburt gemessen. Von drei ausgewählten Parametern (u.a. HSP 70, Hitze-Stress-Protein 70) waren alle drei signifikant erhöht. Hatte der Betrieb sonst nur 15% Durchfall in den ersten 4 Wochen, erhöhte sich die Rate auf über 30%! Die Rate an Lungenentzündungen ging um 70% nach oben. (Gai et al., 2024)

Diese Beobachtung könnte nun erklären, warum wir bei mehr Abkalbungen innerhalb einer gegebenen Zeit auch mehr Probleme bei den Kälbern beobachten. Wir Tierärzte erklärten uns das bislang mit erhöhtem Infektionsdruck, was ja auch nicht ganz falsch ist, aber diese neuen Untersuchungen zeigen nun, dass die Schwächung der Immunabwehr bereits in der Gebärmutter stattfindet und fast unabhängig von der Biestmilchversorgung verläuft.

Eine ganz aktuelle Studie, ebenfalls aus China (Zheng et al., 2026) geht sogar noch einen Schritt weiter: Auch sie untersuchten die Energieversorgung von 48 Kühen in den letzten 3 Wochen vor der Kalbung; 24 Kühe hatten erhöhte Ketonkörperwerte im Blut (>0,6 mmol/l) und deren Kälber zeigten von 6 ausgewählten Stresshormonen im Blut bis auf einen Wert hochsignifikant erhöhte Werte. Mehr noch: Die Pansenwand der „gestressten“ Kälber war stark entzündet, die Pansenzotten rund 40% kürzer und das braune Fettgewebe wies bereits eine ausgeprägte Insulinresistenz auf. Diese Stoffwechselentgleisung macht diese Kälber später auch als Kühe deutlich empfindlicher gegenüber Ketose und lässt sich schneller und leichter erkranken (Zheng et al., 2026).

Aus diesen aktuellen Untersuchungen lässt sich der Schluss ziehen, dass wir die Empfindlichkeit der Close-up /Vorbereiterkühe neu feinjustieren müssen. Neben den neuen gestiegenen stallbaulichen Bedürfnissen, steht so auch die reibungslose Eingliederung auf dem Prüfstand. Denn jede Hereinnahme einer neuen Kuh in eine bestehende Gruppe führt zu Unruhe und Verdrängungen speziell am Futtertisch.

Abbildung 1: Stress vor der Kalbung wirkt bis ins ungeborene Kalb

Integration neu gedacht – noch schonender!

Hier haben sich Landwirte aus dem Schwarzwald eine sehr interessante Möglichkeit der schonenden Integration von Kühen in eine Gruppe ausgedacht: Die sogenannte „Integrationsbucht“, erfunden vom Poohlehof aus Villingen. So wird eine einzubringende Kuh für maximal 5-6 Stunden neben die Zielgruppe gestellt. Die dominante Kuh aus der Gruppe sucht sofort den Blickkontakt zum neuen potentiellen Eindringling und stellt sich dieser am Trenngatter gegenüber. Wären die beiden nun in der Gruppe würde es zu physischen Rangkämpfen kommen. So aber wird das alleine durch visuelle Kommunikation „ausgetragen“. Gehen beide Tiere vom Gatter weg, kann nun die Kuh problemlos integriert werden und startet alsbald mit der ungestörten Futteraufnahme. Denn gerade die ist alles entscheidend, wie aktuelle Studien zeigen:

Rund die Hälfte der Kühe entwickelt nämlich eine leichte negative Energiebilanz und bringt eine Generation von Kälbern auf die Welt, die höchstwahrscheinlich ein ganzes langes produktives Leben weniger stoffwechselstabil  sein wird. Auch würde diese Beobachtung erklären, warum sich Kälber aus gestressten Kühen gegenüber den anderen unbelasteten Kälbern schlechter entwickeln, weniger gut zunehmen und auch später weniger Milch produzieren werden.

Stellt sich das als wahr heraus, müssen wir spätestens dann komplett umdenken und unsere jeweilige Praxis sehr genau auf den Prüfstand stellen und das Transitmanagement neu denken. Ein erster Erfolg liesse sich aber schon an der sofortigen Verbesserung der Kälbergesundheit ablesen. Was für eine historische Chance!

Euer Kälberblogger

 

Studienquellen

Gai et al., 2024

Zheng et al., 2026

 

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